Margarethe's Blog aus Liechtenstein

Frauen aus Liechtenstein - Johanna Sele

| Liechtenstein,

Johanna Sele - Ein Leben in zwei Welten

In einer Grossfamilie am Triesenberg ist Johanna aufgewachsen. Gemeinsam mit ihren 6 Geschwistern hat sie eine schöne Kindheit und Jugendzeit verbracht. Von den Eltern, im Besonderen von ihrer Mutter, hat sie ihr Urvertrauen erhalten. Die Mutter, die früher schon immer sagte: „Es geht immer irgendwie“, hat Johanna stark geprägt. Die Eltern haben keines der Kinder zu etwas gedrängt, die Berufswünsche durften alle selbst aussuchen. Johanna hat sich dank ihres Urvertrauens eher leiten lassen. Dass sie sich zur Ausbildung als Kindergärtnerin entschloss, war eher ein Zufall. Die Aufnahmeprüfung machte sie spontan und die Ausbildung selbst, hat sie als relativ anstrengend in Erinnerung. Klare Linien waren den Kindern gegenüber gefordert und eine strukturierte Arbeitsweise – sie wuchs mit der Zeit in ihre Arbeit hinein und liebte diesen Beruf sehr. Mit dem Sprichwort „Du sollst dein Leben planen, dann wird es verlaufen, wie du es dir wünschst“ damit konnte Johanna nie viel anfangen.

Rückblickend denkt sie, dass vielleicht wegen der fehlenden Planung auch ihr Kinderwunsch nicht in Erfüllung ging. Sich vom Leben leiten zu lassen, das hat ihren Lebensweg geprägt. Mit ihrer Art, dem Leben ins Gesicht zu schauen, ist es für Johanna einfach, mit fast allen Menschen gut auskommen. Sie sieht sich als unkomplizierte Frau, die immer das Positive im Gegenüber sieht. Manchmal würde sie es selbst sogar als ein bisschen Blauäugigkeit bezeichnen. Unvoreingenommenheit würde es aber wohl treffender bezeichnen. In Tansania ist ihr Mann derjenige, der manchmal die Grenzen ihrer Unvoreingenommenheit absteckt. Ihre Offenheit und gesunde Neugierde dem Leben gegenüber, hat aber bis heute nie etwas Negatives hinterlassen.

Ein Lächeln kann jeder Mensch, der Johanna ein Lächeln schenkt, ihr selbst ins Gesicht zaubern. Freundschaft und Respekt den Mitmenschen gegenüber sind für sie selbstverständlich. Als neugieriger Mensch, als „gwundrig“ dem Leben und den beiden Ländern gegenüber – Liechtenstein und Tansania, so fühlt sich Johanna. Das ist auch ein Grund, weshalb sie jedes Jahr nach Liechtenstein kommt. Sie möchte sehen und spüren, was sich da verändert. Durch ihre Spontanität kann sie vieles erleben, wenn sie in Liechtenstein ist - Menschen treffen, sich austauschen und das Leben spüren. Ist sie zu Hause bei ihrer Mama, dann ist sie die Johanna von damals, die Tochter. Hier sind ihre Wurzeln, und die sind ihr wichtig. Heimweh nach Liechtenstein fühlt sie nicht. Sie fühlt sich sehr wohl in beiden Ländern.

Erreichen würde sie in naher Zukunft gerne, dass ihr Leben etwas weniger anstrengend verläuft und sie wieder mehr Zeit hat, für private Dinge, vielleicht mal ein Buch in Ruhe zu lesen, oder einen Spaziergang machen. Ihre Projekte nehmen sie stark in Anspruch und geben ihr auch wieder sehr viel Kraft. Die vielen Aufgaben erwarten Power, vor allem in Tansania. Die Schule, die sie zusammen mit ihrem Mann Switbert führt und auch aufgebaut hat, ist auf gutem Weg ein Vorbild für viele Schulen in Tansania zu werden. Die Vorbildfunktion bezieht sich dabei nicht nur auf die Schule, sondern auch auf die Lehrpersonen, Kinder und deren Familien als Menschen.

Glaube und Spiritualität gehören für Johanna zusammen, sind Eines. Den Glauben findet Johanna in sich selbst, dabei hilft ihr wieder ihr Urvertrauen. In Tansania werden die Ahnen sehr verehrt und werden oft um Rat angefragt. Johanna hat grossen Respekt vor diesem Glauben, sie akzeptiert ihn, sucht aber nicht diese Art zu leben.

Ruhm und Anerkennung haben für Johanna zwei Seiten. Sie weiss, das ohne die Arbeit und ohne ihre Informationen nicht halb so viel für die Schule in Tansania getan werden könnte und ist deshalb dafür auch sehr dankbar. Sie versteht sich als Botschafterin zwischen den beiden Ländern und den Projekten, die sie unterstützt und leitet. Genau das gibt sie auch den jungen Menschen mit auf den Weg, die in Tansania in der Schule mitarbeiten und wieder heimgehen nach ihrer Praktikumszeit.

Bewegen möchte Johanna noch vieles in ihrem Leben. Ein grosses Anliegen ist ihr in erster Linie die Viktoria Schule in Tansania, dass die Schule weiterhin erfolgreich ist und die geplanten Projekte umgesetzt werden können. Dadurch sollen künftig die Schüler ihr Leben gut meistern, mit einer guten Ausbildung wird auch in Tansania immer mehr möglich. Gesund bleiben ist auch für Johanna ein grosser Wunsch und mit ihrer positiven Einstellung und ihrer gesunden Neugierde weiterhin auf dem richtigen Weg bleiben. In Tansania möchte sie zusammen mit ihrem Mann alt werden und die Schule sich weiterentwickeln sehen. Dabei möchte sie jedoch immer den Kontakt zu Liechtenstein behalten.

Hinterlassen möchte Johanna der Welt ihr Urvertrauen, das sie hat und selbst geschenkt bekommen hat und in vielen Situationen erleben durfte. Johannas Urvertrauen wird von vielen Menschen wahrgenommen, manche spüren es auch bereits in sich und andere sind auf dem Weg dahin.

 

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