Margarethe's Blog aus Liechtenstein

Alle Jahre wieder - Eine Weihnachtsgeschichte

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Alle Jahre wieder ? - Maximilians Weihnachtsgeschichte

Maximilian war wie jedes Jahr voller Erwartung. Die geschmückten Schaufenster und der Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln ließen seine Gefühle aus der Kindheit hochkommen. Er freute sich über die Advents- und Weihnachtslieder im Radio. Die Vorfreude auf Weihnachten war wie jedes Jahr groß und er genoss dieses schöne Gefühl. Mit jedem Tag, mit dem Weihnachten näher kam, beschlich ihn aber auch ein mulmiges Gefühl.

Er wusste, dass die Zusammenkunft mit der Familie an Weihnachten wie jedes Jahr ein Drahtseilakt werden würde. Es wurde zwar selten gestritten, aber die Stimmung und die Atmosphäre unter dem Christbaum waren oft zum Schneiden. Sein Vater war jeweils in kindlicher Stimmung und schien die Unstimmigkeiten nicht zu bemerken oder er verdrängte sie schlicht. Seine Partnerin, eine sehr geduldige und verständnisvolle Frau, tat immer das Beste als Gastgeberin. Die Mutter von Maximilian war Jahre nach der Scheidung auch wieder in der Familie. Das fand auch Maximilian schön, obwohl er seiner Mutter an Weihnachten ein unnatürliches und gekünsteltes Benehmen unterstellte. Sie war nicht wie sonst.

Für die jüngeren Geschwister von Maximilian war Weihnachten in der Familie eine große Herausforderung. Sie suchten zwar die Liebe im familiären Kreis. Sie konnten ihre Probleme mit dem Vater und der Situation der Patchwork-Familie jedoch nur mit viel Alkohol bewältigen. Auch Maximilian tröstete sich oft mit Alkohol, weil er ein herzliches Fest vermisste und die geladene Stimmung nicht ertrug. Ungemütliche und wenig weihnächtliche Diskussionen waren oft die Folge. Die Frau von Maximilian und seine Schwägerinnen bewältigten dieses jährliche Spiel mit unterschiedlichen Strategien.

Die Wende -  Maximilian wurde älter und begann sich mit dem Leben und dessen Bedeutung immer mehr auseinanderzusetzen. Er lernte in Seminaren und in Büchern, dass alles eine Frage des Denkens sei und dass die anderen Menschen uns und unsere Charakterzüge spiegeln würden. Es wurde ihm dabei auch bewusst, dass jeder Mensch eine enorme Kraft in sich hat und sein Leben in die eigenen Hände nehmen sollte. Gesagt, getan…..er wollte es versuchen.

Maximilian besuchte seine Familie zu Weihnachten ohne Vorbehalte. Er wollte etwas verändern! So ging er offen auf seine Mutter und Geschwister zu. Er dachte nicht an die Weihnachtsfeste davor. Er machte seinen Geschwistern und den Eltern innerlich keine Vorwürfe und er versuchte die negativen Gefühle und Erfahrungen auszublenden. Er ärgerte sich nicht über die Bemerkungen seiner Mutter. Er verurteilte auch nicht den Alkoholkonsum der Geschwister und ließ dem Vater seine kindliche Freude am Christbaum und den Geschenken.

Etwas Wundervolles geschah. Es gelang Maximilian, die Weihnachtsfeier zu genießen und es wurde fast feierlich unter dem Christbaum. Es ist eigentlich so einfach! Nach diesem Abend wurde Maximilian bewusst, dass er alleine durch die Veränderung seiner inneren Haltung und das offene Zugehen auf die Familienmitglieder die alten und jahrelang gepflegten Muster durchbrochen hatte. Er gab niemandem mehr die Schuld, sondern handelte in eigener Verantwortung. Er realisierte, dass er mit einem anderen Denken und einer anderen Haltung sein Leben und seine Umgebung positiv beeinflussen konnte.

Frohe und besinnliche Weihnachten

Das Buch „Die andere Sicht“ von Richard Casanova ist im Juli 2016 erschienen und ist im Buchhandel oder auf seiner Website www.richardcasanova.ch zu erwerben.

Ein Gastbeitrag von Richard Casanova

 

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